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Freitag, 9. November 2012

der rest - die etwas andere Hamburger Schule!


Montagabend, draußen regnet es in Strömen, ich bin müde - doch dann wird allles gut, denn Axel steht vor der Tür und holt mich ab. Es geht nach Köln zum Konzert.

I Like Trains spielen wieder mal im Gebäude 9. Es ist mein viertes Konzert, das ich von den britischen Zugliebhabern sehe - und das Schlechteste (auch wenn sie gegen Ende zu gewohnter Stärke zurückfinden). Aber davon soll in diesem Artikel gar nicht die Rede sein. Es geht vielmehr um die Band, die als Vorgruppe das Konzert eröffneten und den vielsagenden Namen der rest trägt.

Im Vorraum hatten wir beim Merchendising-Stand Bandshirts mit Ziegen-Motiv gesehen und mutmaßten schon, daß es sich bei der Ziege um den Kölner Geißbock und bei der Vorband um Lokalmatadore handeln würde. Weit gefehlt, denn der rest kommt aus Hamburg. Wer jetzt an die Hamburger Schule denkt, der liegt wieder falsch ... und wenn überhaupt, dann ist es die etwas andere Hamburger Schule.
Beim Konzert fand ich die Band zunächst eigentlich nur "ganz nett" und kaufte mir ihr aktuelles Album eher als Erinnerung an mein vielleicht letztes I Like Trains-Konzert. Es ist nach dem 2011 erschienenen Debutalbum "Der Tisch ist gedeckt" erst das Zweitwerk der Band und trägt den Namen "Willkommen im Cafè Elend".
Es brauchte nicht viele Durchläufe, dann war auch schon um mich geschehen: Diese Platte berührt total, man muss ihr nur Zeit geben und sich darauf einlassen. Nach anfänglicher Zurückhaltung begeistert mich dieses Album immer mehr. Neben der Musik sind es vor allem diese sehr reflektierten, melancholischen, teilweise düsteren Texte von Sänger Phil Taraz, die mich mehr und mehr in ihren Bann ziehen.

Phil Taraz, ein wirklich kreativer Mensch, der neben Musik auch Filme macht und produziert und dabei von seiner Schwester Luisa unterstützt wird. Auf der Bühne wird er durch Laurent Vianès (Bass) und Anton Stöger (Schlagzeug) verstärkt.

Die Lieder des Albums stehen für das perfekte Zusammenspiel von ("Schrammel")-Gitarre, der zum Teil an Tocotronics Dirk von Lotzow erinnernder Gesangsstimme (wie war das noch mit der Hamburger Schule?) und von Songtexten, die so tief gehen, dass es fast weh tut. Man  merkt bald, daß man es hier mit einem Texter zu tun hat, der sich wirkliche Gedanken macht.

Wenn ihr jetzt nicht ganz versteht, was ich meine, dann lauscht dem Song "Situation Endstation", der nachfolgend als Video zu sehen und hören ist. Dort heißt es u.a.: "Situation Endstation - eine Spur weit negativ - vielleicht schon!" - Mehr kann man mit wenigen Worten gar nicht auf den Punkt bringen. Das ist ganz großes Kino! 

Kann ein Mensch, der solche Lieder schreibt, überhaupt glücklich sein? Ich weiß es nicht genau. Allerdings bin ich sicher, daß er seine Umwelt sehr bewußt wahr nimmt und in der Lage ist seinen Gefühlen deutliche Worte zu verleihen. Daraus entstehen Texte, die intensiver nicht sein könnten. Ich ziehe meinen Hut vor soviel Ausdruckskraft!
Diese 11 Songs auf "Willkommen Im Café Elend" sind einfach nur ehrlich und ehrliche gute Musik verdient Gehör, zumal sie auf berührende Art und Weise uns und und unserer Gesellschaft den Spiegel vor Gesicht hält. Was wir dort sehen ist leider nicht immer schön. Es sind Bilder von Kälte und Einsamkeit die dort vor unseren Augen auftauchen ... und doch ist auch immer noch Hoffnung zu spüren. Wer in der Lage ist seine Umwelt so treffend zu beschreiben, dem ist noch zu helfen. Erst wenn wir nicht mehr sehen wie es um uns herum bestellt ist, wenn wir dafür keine Worte mehr finden, dann haben wir verloren.
Ein weiteres Beispiel für ein Lied mit Tiefgang gefällig? Kein Problem, hier ist es, das Video zum Song "Draussen":



"Willkommen Im Café Elend" ist ein Album, bei dem die Texte mehr als nur schmückendes Beiwerk sind. Ich könnte jetzt etliche wunderbare Textpassagen zitieren. Die Songs sind voll gespickt davon. Mit "Besser Als Geplant" ist sogar so etwas wie ein Lovesong auf dem Album enthalten - ein Liebeslied wie es sich eben bei der rest anzuhören hat. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen - außer dem Link zur Bandhomepage:
der rest (Webadresse)

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