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Dienstag, 27. November 2012

Motorama - Weit mehr als nur eine Band


Es gibt Bands, die kann man nicht ausstehen. Es gibt Bands, die sind einem gleichgültig. Zum Glück gibt es aber auch Bands, diee man mag. Einige ganz wenige davon - vielleicht auch nur eine - liebt man. Das erkennt man daran, daß das Herz schneller pocht und man ganz aufgeregt ist, wenn es Neues von ihr zu hören gibt.

Bei mir verhält sicn das jedenfalls so, wenn es um die Band Motorama geht. Es war sogar Liebe auf den ersten Blick gewesen, als ich vor gut 4 Jahren das russische Quintett für mich bei last.fm entdeckte. Damals klang ihre Musik noch etwas düsterer und erinnerte zuweilen an den Post-Punk von Joy Division. Heute spielen sie feinsten melancholischen Gitarrenwave und klingen eher wie The Smiths. Beides keine schlechten Referenzen, wie ich finde

Doch eigentlich bedarf die Musik von Motorama keiner Vergleiche. Sie besitzt absolute Eigenständigkeit und einen hohen Wiedererkennungswert. Jeder Song besticht durch eine wunderschöne Melodie und kleine Details, welche ihn einzigartig machen, Die Songs von Motorama werden dich verzaubern (falls das nicht ohnehin schon längst geschehen ist) und bald schon kannst und willst Du nicht mehr ohne sie sein.

Seit dem letzten Album "Alps" (2010) wurden die beiden Singles "Empty Bed" und "One Moment" veröffentlicht. Ungeduldig wartete ich in den letzten Wochen und Monaten auf ein neues Album des Quintetts aus Rostov am Don. Jetzt ist es endlich da. "Calendar" heißt es und schon beim Betrachten des für Motorama typischen Covermotivs (von denen ich annehme, dass es sich hierbei, wie auch schon bei früheren Covermotiven, um Szenen aus dem Russland der 50er und 60er Jahren handelt) habe ich ein gutes Gefühl. Nach dem ersten Hören ist dem Gefühl schnell Gewißheit geworden: Motorama entäuschen auch diesmal nicht, sondern entlohnen mich mit ihren 10 neuen Songs reichlich für mein ungeduldiges Warten. Jeder Track ist eine potentielle Single (wie es damals damals bei den Alben von The Smith übrigens auch der Fall war, wie ich finde).

Vielleicht ergibt sich ja bald auch wieder die Gelegenheit die Band so wie im letzten Jahr in Oberhausen live zu sehen. Jeder, der einmal ein Motorama-Konzert miterlebt hat, der wird diese intime Atmosphäre gespürt und geschätzt haben, welche dies fünf bescheidenen und angenehm natürlich wirkenden jungen Musiker im Stande sind zu erzeugen. Ich kann jedem nur empfehlen Tickets zu kaufen, wenn sich die Chance ergibt. Ihr werdet es nicht bereuen.

Bis dahin bleiben nur ihre Videos, um neben der akustischen auch eine visuelle Verbindung zu Motorama aufzubauen und die fünf Bandmitglieder nicht nur zu höhren, sondern auch zu sehen. Passend dazu habe ich nachfolgend die Videos von den Songs "To The South" und "Scars" beigefügt, also von Liedern, welche beide auf Calendar enthalten sind.

 



Die Videos zeigen meiner Meinung nach, dass die Band die Gabe besitzt, nicht nur mit ihren Instrumenten, sondern auch in ihren Bildern intensive Stimmungen zu erzeugen, die berühren. Kein Vergleich zu den kommerziellen Videos des MTV-Zeitalters. Die fünf Künstler (dieses Wort trifft den Kern der Sache vielleicht besser als das Wort "Musiker") sprühen vor Kreativität und besitzen den Blick für das Detail. Eine ganze Reihe von Beispielen hierfür gibt es übrigens auf ihrer wunderbaren Webseite (Link folgt unten).

Motorama besitzen eine ganz besondere Ausstrahlung und haben eine ganz besondere Wirkung auf mich. Nicht nur als Musiker, sondern als Mensch. Oft schon habe ich mir gewünscht, diese fünf Menschen und ihre Gemeinschaft näher kennenzulernen. Vielleicht ist es ja nur eine Illusion, aber ich habe das Gefühl, daß Motorama mehr sind als nur eine Band. Ich wünsche Motorama und mir, dass dies noch lange so bleibt.

Link zur Webseite von Motorama

Freitag, 9. November 2012

der rest - die etwas andere Hamburger Schule!


Montagabend, draußen regnet es in Strömen, ich bin müde - doch dann wird allles gut, denn Axel steht vor der Tür und holt mich ab. Es geht nach Köln zum Konzert.

I Like Trains spielen wieder mal im Gebäude 9. Es ist mein viertes Konzert, das ich von den britischen Zugliebhabern sehe - und das Schlechteste (auch wenn sie gegen Ende zu gewohnter Stärke zurückfinden). Aber davon soll in diesem Artikel gar nicht die Rede sein. Es geht vielmehr um die Band, die als Vorgruppe das Konzert eröffneten und den vielsagenden Namen der rest trägt.

Im Vorraum hatten wir beim Merchendising-Stand Bandshirts mit Ziegen-Motiv gesehen und mutmaßten schon, daß es sich bei der Ziege um den Kölner Geißbock und bei der Vorband um Lokalmatadore handeln würde. Weit gefehlt, denn der rest kommt aus Hamburg. Wer jetzt an die Hamburger Schule denkt, der liegt wieder falsch ... und wenn überhaupt, dann ist es die etwas andere Hamburger Schule.
Beim Konzert fand ich die Band zunächst eigentlich nur "ganz nett" und kaufte mir ihr aktuelles Album eher als Erinnerung an mein vielleicht letztes I Like Trains-Konzert. Es ist nach dem 2011 erschienenen Debutalbum "Der Tisch ist gedeckt" erst das Zweitwerk der Band und trägt den Namen "Willkommen im Cafè Elend".
Es brauchte nicht viele Durchläufe, dann war auch schon um mich geschehen: Diese Platte berührt total, man muss ihr nur Zeit geben und sich darauf einlassen. Nach anfänglicher Zurückhaltung begeistert mich dieses Album immer mehr. Neben der Musik sind es vor allem diese sehr reflektierten, melancholischen, teilweise düsteren Texte von Sänger Phil Taraz, die mich mehr und mehr in ihren Bann ziehen.

Phil Taraz, ein wirklich kreativer Mensch, der neben Musik auch Filme macht und produziert und dabei von seiner Schwester Luisa unterstützt wird. Auf der Bühne wird er durch Laurent Vianès (Bass) und Anton Stöger (Schlagzeug) verstärkt.

Die Lieder des Albums stehen für das perfekte Zusammenspiel von ("Schrammel")-Gitarre, der zum Teil an Tocotronics Dirk von Lotzow erinnernder Gesangsstimme (wie war das noch mit der Hamburger Schule?) und von Songtexten, die so tief gehen, dass es fast weh tut. Man  merkt bald, daß man es hier mit einem Texter zu tun hat, der sich wirkliche Gedanken macht.

Wenn ihr jetzt nicht ganz versteht, was ich meine, dann lauscht dem Song "Situation Endstation", der nachfolgend als Video zu sehen und hören ist. Dort heißt es u.a.: "Situation Endstation - eine Spur weit negativ - vielleicht schon!" - Mehr kann man mit wenigen Worten gar nicht auf den Punkt bringen. Das ist ganz großes Kino! 

Kann ein Mensch, der solche Lieder schreibt, überhaupt glücklich sein? Ich weiß es nicht genau. Allerdings bin ich sicher, daß er seine Umwelt sehr bewußt wahr nimmt und in der Lage ist seinen Gefühlen deutliche Worte zu verleihen. Daraus entstehen Texte, die intensiver nicht sein könnten. Ich ziehe meinen Hut vor soviel Ausdruckskraft!
Diese 11 Songs auf "Willkommen Im Café Elend" sind einfach nur ehrlich und ehrliche gute Musik verdient Gehör, zumal sie auf berührende Art und Weise uns und und unserer Gesellschaft den Spiegel vor Gesicht hält. Was wir dort sehen ist leider nicht immer schön. Es sind Bilder von Kälte und Einsamkeit die dort vor unseren Augen auftauchen ... und doch ist auch immer noch Hoffnung zu spüren. Wer in der Lage ist seine Umwelt so treffend zu beschreiben, dem ist noch zu helfen. Erst wenn wir nicht mehr sehen wie es um uns herum bestellt ist, wenn wir dafür keine Worte mehr finden, dann haben wir verloren.
Ein weiteres Beispiel für ein Lied mit Tiefgang gefällig? Kein Problem, hier ist es, das Video zum Song "Draussen":



"Willkommen Im Café Elend" ist ein Album, bei dem die Texte mehr als nur schmückendes Beiwerk sind. Ich könnte jetzt etliche wunderbare Textpassagen zitieren. Die Songs sind voll gespickt davon. Mit "Besser Als Geplant" ist sogar so etwas wie ein Lovesong auf dem Album enthalten - ein Liebeslied wie es sich eben bei der rest anzuhören hat. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen - außer dem Link zur Bandhomepage:
der rest (Webadresse)

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