Wer sagt, daß Retro schlecht ist? Wer sagt, daß Retro einfallslos ist? Sicher ist Retro nicht innovativ, aber wer will schon immer den neusten Schrei, wenn man das Alte doch so liebgewonnen hat. Gerade bei Musik, die dunkel und melancholisch daher kommt, will man doch gar nichts ganz Neues, weil die alten Sachen schon hundertmal bewiesen haben, daß sie einem gut tut - in guten wie in schlechten Tagen.
Deshalb müssen wir Tobias Grave geradezu dankbar sein, daß er nach dem Ende seiner Band Blessure Grave nicht lange untätig blieb, sondern zusammen mit seiner Frau Shiloe und sowie Nathan Howdeswet und Maxamillion Avaloals die Band
Soft Kill gründete. Das war im Herbst 2010. Wie schön, daß keine zwölf Monate später das Debutalbum
An Open Door vorliegt.
Die Musik, die wir auf
An Open Door zu hören bekommen, würde ich als eine gelungene Mischung aus Post-Punk und Gitarrren Wave in bester Retro-Manier bezeichnen. Die vier Musiker von
Soft Kill bezeichnen ihre Musik lieber als Based Goth und After Punk. Wenn Schubladen und damit Genres helfen sollen, Musik besser verständlich zu machen, dann haben
Soft Kill das Thema verfehlt. Man kann sich vielleicht mehr darunter vorstellen, wie die Musik des Quartetts aus den USA klingen, wenn man die musikalischen Vorlieben des Quartetts kennt, die von Howard Devoto über The Cure bis hin zu Wire/Colin Newman und Killing Joke reichen.