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Sonntag, 24. April 2011

Motorama - Wollen wir Freunde sein?

Es gibt Konzerte, die man nie vergessen wird. Warum, dafür kann es die unterschiedlichsten Gründe geben. Ich pesönlich werde das Konzert von er russischen Band Motorama am 20. April 2011 in der Kneipe des Druckluft in Oberhausen wohl für immer in bester Erinnerng behalten. Es hat mich nachhaltig beeindruckt.

Vorab: Ich habe Motorama auf Last.fm für mich entdeckt, da kannte die Band außerhalb der russischen Grenzen wahrscheinlch kaum jemand. Jedenfalls ist es schon mehr als 3 Jahre her. Ein Indiez dafür ist es unter anderen, wenn ich meinen wegen ihrer profunden Kentnisse der Musikszene hoch geschätzten Musikfreunden Dedel und Jens in der Entdeckung neuer Bands zuvorkomme. So war es bei Motorama der Fall und was soll ich sagen: Auch sie waren sofort absolut begeistert von der Musik des Quintetts aus Rostov am Don (Rußland).



Mich hat an Motorama zunächst ihre Nähe zu Joy Division fasziniert, die sich insbesondere in den Songs ihrer beiden ersten EP's Horse EP (2008) und Bear EP (2009) manifestiert. Als Beispiel diene hier der Song Normandy, von dem ihr hier ein Video sehen könnt:



Als dann 2010 das erste Album (Alps) erschien, mußte ich mich erst etwas an den weniger düsteren Sound gewöhnen. Doch schnell lernte ich dieses Album schätzen, denn es ist voller Melodie und bittersüßer Melancholie. Alles Eigenschaften, die man den Werken russischer Musiker schon seit über hundert Jaren zuschreiben kann. Aus diesem Grund liebe ich Pathetique von Peter Tschaikowski und auch das 3. Klavierkonzert von Sergei Rachmaninov ... und dafür liebe ich auch die Musik von Airin Marchenko (Bass), Vladislav Parshin (Gitarre, Gesang), Maksim Polivanov (Gitarre), Alexander Norets (Keyboards) und Roman Belenkiy (Schlagzeg), besser bekannt unter dem Namen ... Motorama.

Als mein Freund Axel, den ich inzwschen auch schon zu einem Motorama-Anhänger gemacht habe, fragte, ob wir nach Oberhausen zum Motorama-Konzert fahren sollten, mußte ich nicht lange überlegen. Bernd war auch sofort überzeugt und so war das zweite Konzert, welches wir drei musikbegeisterten Freunde in diesem Jahr zusammen besuchen würden, ausgemacht. Das erste Konzert war übrigens das I Like Trains - Konzert im Januar in Köln.

Um auch wirklich in den Live-Genuss von Motorama zu kommen, habe ich die Konzertkarten natürlich vorbestellt. Auf gar keinen Fall wollte ich die Gelegenheit verpassen die russische Band live zu sehen, Zu meiner positiven Überraschung kosteten die Karten nur 5€ (plus VVK-Gebühr).Wo gibt es das noch?

Jens, der Motorama einige Tage vor mir in Frankfurt gesehen hat, berichtete mir von einer tollen Liveband, aber auch davon, dass nur 19 Konzertbescher gezählt wurden. Für mich unfassbar, aber vielleicht auch ein Gütesiegel ??? Um es vorweg zu nehmen:: In Oberhasen in der Kneipe des Druckluft waren es rund. 100 Besucher und damit genau die richtige Größenordnung für ein intimes, emotionales Konzerterlebnis.

Am frühen Abend eines sonnigen Tages ereichten wir gegen 20:00 das Gelände des Druckluft. Da es sich um eine sehr weitläufige Location handelt, bauchten wir einige Zeit, bis wir die Kneipe gefunden hatten, in der das Konzert gegen 21.00 beginnen sollte. Kurz vor Konzerteginn stand auf einmal ein junger Mann auf der Bühne und befestigte am Ständer des Keyboards einen großen weißen Plüschtigerkopf. Genauso schnell wir er die Bühne betreten hatte verschwand er wieder und auch diesmal wählte er den Weg mitten durch das Publikum. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, handelte es ich bei dem sehr sommerlich und ganz in weiß gekleidetem Mann um Alexander Norets, den Keyboarder von Motorama.

Kurze Zeit später kam dann die ganze Band auf die Bühne, ebenfals mitten duch die vor dem leicht erhöhtem Podium versammelten Knzertbesucher. Vielleicht täusche ich mich, aber sie schienen etwas nervös oder besser gesagt scheu, aber auf eine sehr sympathische Art und Weise. Auch sahen sie so ganz anders aus, als ich mir sie live vogestellt hatte. Sie sahen so wunderbar normal aus und wenn sie sich unter das Publikum, welches auch aus einer erheblichen Anzahl russischer Konzertbesucher bestand,  gemischt hätten, so wären sie dort nicht weiter aufgefallen.

Während des ganzen Konzerts richteten die fünf Musiker kein einziges Wort ans Publikum (jedenfalls habe ich es so wahrgenommen). Sie erschienen, spielten ihre Songs und trotzdem fühlte sich zu Gast bei Freunden (ich tat es jedenfalls). Ihre Gastfreundschaft drückte sich in der Tatsache aus, dass sie uns an ihren Songs haben teilnehmen lassen. Songs, die sie geschrieben haben, und die sie nun für uns (und ich glaube auch ein wenig für sich) spielten, weil es ihre Songs sind. Keine Songs, die entstanden sind, um berühmt zu werden oder um viele Kopien davon zu verkaufen. Hierzu passt, daß in einem Bericht zu ihrem Konzert in Münster zu lesen ist, dass sie wohl vor der Tour vergessen haben, ihr Verkaufs-CD's einzupacken und auch sonst mit Merchendising-Artikeln eher spärlich ausgestattet waren. Man stelle sich mal vor: Da gehts zum ersten Mal auf größere Europa-Tour und dann so etwas. Also, wenn das in der ansonsten doch eher von Geld und Kommerz geprägten Musikszene keine schöne und liebenswerte Anekdote ist, dann weiß ich es auch nicht!

Alles paßt ins Bild: Sie verschenken all ihre wundershnen Songs im Netz, ihe Konzerte kosten gerade mal 5€, sie legen kein Popstargehabe an den Tag, sondern wirken eher scheu und zurückhaltend. Aber vor allen Dingen  lieben und leben sie ihre Musik.Wahrscheinlich ist es gerade das, was mich so an der Band Motorama beeindruckt.

Musik ist mein täglicher Begleiter. Ich liebe Musik (sonst gäbe es kein radio-shadowplay und auch nicht diesen Musikblog hier). Musik macht mich glücklicher, wenn es mir schlecht geht und noch glücklicher wenn es mir gut geht. Mit Musik kann ich mich ausdrücken (auch wenn ich sie nicht selber mache). Am besten spiegelt Musik mit einem dunkelen, melancholischen Anstrich mein Innneres wieder. Wenn diese Musik dann noch von solch sympatisch, zurüchaltend und bescheiden wirkenden Menschen gemacht wird, wie es die fünf Bandmitglieder von Motorama sind, die ohne große Posen auskommen, sondern vielmehr ihre Musik sprechen lassen, dann ist das ein verstärkender Faktor von großer Bedeutung. Ich brauche keine Rockstars . . . ich brauche Bands wie Motorama.  Als Beweis diene dieses Bild- und Tondokument der Darbietung von Alps an einem für mich denkwürdigen Abend:

Motorama - Alps (live am 20.04.2011 im Druckluft / Oberhausen)

















Gerne hätte ich die Band nach dem Konzert eingeladen, noch etwas gemeinsam zu trinken. Als wir nach dem letzten Lied die Kneipe verliessen, suchten meine Augen den Hof nach den fünf Menschen ab, die mich in der letzten guten Stunde mit ihren melancholischen Songs in ihren Bann gezogen haben. Ich entdeckte sie diagonal gegenüber am anderen Ende des Platzes. Uns trennte auf diesem Gelnde die maximale Entfernng. Sie schienen zu beobachten, wie die Besucher ihres Konzert die Heimreise antraten oder noch auf ein Bier zusammen blieben. Am Liebsten wäre ich zu ihnen gegangen und aus tiefstem Herzen gefragt: "Wollen wir noch etwas gemeinsam trinken? ... Wollen wir Freunde sein?! ... und ich meinte es Ernst ... aber ich tat es nicht. Ich wollte mich nicht aufdrängen. Ich hätte mich als störend empfunden in dieser - in meinen Augen - reinen Welt von Motorama.

Vielleicht gerade weil ich sie nicht angesprochen habe, möchte ich an dieser Stelle Motorama wünschen, sich ihre liebenswerte, bescheidene Art zu behalten. Nicht, dass es mir schwer fallen würde für die Konzerte 20€ zu bezahlen oder ihre CD's zu kaufen, anstatt sie kostenlos von ihrer Homepage zu laden. Aber es macht die (Musik)welt ein wenig besser, wenn man weiß, daß es Musiker wie sie gibt, denen manche Dinge wichtiger sind als Geld und die uns dabei mit so genialer Musik beglücken, wie es Motorama tun.
Airin, Vladislav, Maksim, Alexander und Roman, ihr habt es geschafft, daß seit dem 20.04.2011 meine Antwort auf die Frage nach meiner Lieblinsband anders lautet als in den 25 Jahren zuvor. Ab jetzt lautet sie nicht mehr "The Cure" sondern sie heißt "Motorama".

... und die Geschichte von Motorama geht weiter. Anbei findet ihr das Video ihres aktuellen Songs One Moment, zu dem ich auch noch eine sehr schöne Akustik-Version beigefügt habe: 





ALso Leute, schaut euch diese Band an, wenn ihr irgendwie die Gelegenheit dazu haben solltet, aber versucht um Himmels Willen nicht, sie zu ändern. Wenn sie beispielsweise nicht mit dem Publikum kommunzieren, so ist das keine Arroganz, sondern liebenswerte Zurückhaltung. Erwachen werden sie alleine, aber laßt sie bestimmen, wann es soweit ist. Ich hoffe, es dauert ewig ... und solange wünschte ich ihr Freund zu sein ... !

Kommentare:

  1. Super Bericht. Wirklich eine fantastische Band

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  2. Ich war in Berlin (60-70 Zuschauer), kann dir nur zustimmen. Fantastische Band, fantastische Musik... Auch dort haben sie nicht ein Wort gesagt während des Auftritts, standen aber auch liebenswürdig vor dem Konzert einfach mit im Publikum. Ich hoffe auch, dass sie so bleiben, wie sie sind...

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